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Die Thürer Wiesen

Südöstlich der Gemeinde Thür befindet sich das Naturschutzgebiet “Thürer Wiesen”. Die Thürer Wiesen werden eingegrenzt von Thür mit der Bundesstraße 256 und dem Schmalberg einerseits und den Landesstraßen 20110927-Karte-Thuerer-WiesL120 und L 113 andererseits. Durch dieses einmalige Naturschutzgebiet führt der 31 km lange Vulkanpark-Radweg von Andernach nach Mayen.

 „Thur“, – am Wasser gelegen, - dieser Name keltischen Ursprungs wird hier offensichtlich.

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Eine Tafel am Parkplatz an der L 120 weist darauf hin, dass man sich in einem Naturschutzgebiet befindet. Eine Brücke über den Thürer Bach führt zu den durch einen Weg getrennten Teichen. Eine Informationstafel auf einer kleinen Aussichtsplattform informiert ausführlich über Flora und Fauna der Thürer Wiesen. Wenn man auf dieser Plattform steht, kann man sich kaum vorstellen, dass dieses Gebiet einmal trockengelegt werden sollte und beinahe auch schon trockengelegt war.

Auf Initiative der Thürer Landwirte und des Kulturamtes Mayen begann 1974 die Trockenlegung des sumpfigen Geländes zur Schaffung neuer Anbauflächen. 1950-ca-Viehhaltung-Thurer-Dabei war die Idee der Entwässerung der Wiesen entlang des Thürer Bachs schon weit vor dem Zweiten Weltkrieg geboren worden. Im Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 25.01.1952 verweist der damalige Amtsbürgermeister auf einen Kostenanschlag von 1939 auf dessen Grundlage die Kosten für die Grundstücksbesitzer berechnet wurden. Die Entwässerung sollte nach Meinung der Grünlandforschungsstelle Borler eine Verbesserung des Pflanzenbestandes bringen und sich allein hierdurch bezahlt machen. Die Futterversorgung würde auf eine weit bessere Grundlage gestellt und man könne dann daran denken, im großen Umfange Viehweiden anzulegen . Im 2. Band der Dorf- und Schulchronik Thür kann man lesen, dass man sich über die Verteilung der Kosten für die einzelnen Grundstücksbesitzer nicht einig werden konnte.
Strittig war, ob nur die Besitzer der Wiesen oder auch die der angrenzenden Ackergrundstücke die Belastung von rund 39 DM pro Morgen zu tragen hätten. Es dauerte noch fast 20 Jahre bis man 1974 mit der Trockenlegung des Thürer Sumpfes beginnen konnte. Da halfen auch die Proteste des Bundes für Vogelschutz (DBV) nicht, der sich vehement für den Erhalt des Schilf- und Feuchtgebietes einsetzte. Und so konnte man in der Festschrift des TUS Thür, als dieser seinen 75. Jahrestag feierte, in einem Artikel von Dr. Ludwig Breil nachlesen, dass der Thürer Sumpf trockengelegt sei und nicht mehr existiere. „Der Wasser- und Bodenverband Thür habe diese geschichtliche Tat vollbracht. Vorbei sei die Zeit des sommerlichen Sumpffestes der Thürer Theater- und Karnevalsgesellschaft, der Thürer Spitzname (Thürer Sompörsch) werde fortan zu Unrecht getragen.“

Doch mit den grünen Wiesen, üppigen Weiden und trockenen Äckern rund um die Thürer Wiesen wurde es nichts.

Im Spiegel konnte man 1981 lesen: „Seit Kriegsende haben Wasserbau-Ingenieure in der Bundesrepublik rund 40000 km Flüsse und Bäche – insgesamt so lang wie der Äquator – mit deutscher Gründlichkeit kanalisiert, betoniert und reguliert. … Die Begradigungswut hat längst mehr ökologischen Schaden als ökonomischen Nutzen gestiftet. Kaum ein Landstrich, in dem nicht die letzten Flüsschen reguliert, Sumpfwiesen entwässert, Tümpel zugeschüttet und Quellen ins Rohr gesteckt werden. Die Trockenlegung von Feuchtgebieten war in der Bundesrepublik Hauptursache eines rapiden Artenrückgangs.20100330-Thuerer-Wiesen-121
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Dem Thürer Sumpf erging es also wie vielen anderen Feuchtgebieten in Deutschland. Der Thürer Bach wurde zum seelenlosen Vorflutgraben und Wasserschlauch degradiert, indem man ihn entsprechend tiefer legte, begradigte und durchgehend naturfern mit Rasengittersteinen in Gewässersohle und Böschungsflächen ausbaute. Damit war das natürliche Hochwasserrückhaltevermögen des Thürer Sumpfs völlig ausgeschaltet, dies bekamen die unterhalb liegenden Gemeinden Kruft, Kretz und Plaidt durch erhöhte Hochwasserschäden zu spüren. Zudem bildeten sich in dem begradigten Bach erhebliche Sandablagerungen, die immer wieder aufwändige und teure Räumungsmaßnahmen erforderlich machten. Der landwirtschaftliche Nutzen war in einer Zeit wachsender EG-Agrarüberschüsse ohnehin fragwürdig. Schnell setzte sich die Erkenntnis durch, dass es nicht darauf ankam das Wasser so schnell wie möglich über Entwässerungssysteme abzuführen, sondern das Wasser so lange und so sauber wie möglich im Feuchtgebiet zurückzuhalten.

Bereits Mitte der 80-er Jahre begann die Verbandsgemeindeverwaltung Mendig durch gezielten Flächenankauf mit einer Renaturierung des Thürer Sumpfes. Das erworbene Land wurde von jeglicher Nutzung freigehalten. Diese Maßnahme wurde durch das Land Rheinland-Pfalz mit einem Zuschuss von 80% der Kosten gefördert. Zeitgleich wurde durch kleinere Unterhaltungsmaßnahmen der Gewässerregenerationsprozeß unterstützt. Der Thürer Bach begann zu mäandrieren und typische Gewässer- und Auebiotopen bildeten sich wieder sehr schnell heraus. War die Gewässerstruktur bei Beginn der Renaturierung noch mit „übermäßig geschädigt“ bewertet 20120205-Thuerer-Wiesen-01worden, kann sie heute wohl wieder als „naturnah“ eingestuft werden.

 

Seit 1976 führt ein gut ausgebauter Weg in einer Länge von 2 km durch die Wiesen, der heute ein Teilstück des Radwanderweges Mayen – Andernach ist und ebenfalls den Jakobsweg aufnimmt. Die Thürer Wiesen werden von der Bevölkerung im weiten Umkreis als Naherholungsgebiet gut angenommen.

 

Die Thürer Wiesen sind ein willkommenes Rastgebiet vieler Vogelarten, sowohl bei ihrem Zug in die Brut-, als auch in die Überwinterungsgebiete. So lassen sich mit etwas Glück und Geduld regelmäßig die wunderschön gefärbten Krick- und Knäkenten beobachten. Zwischen den vielen Stockenten finden sich immer wieder seltenere Arten wie Löffelenten, mit dem löffe20120129-Nilgaense-HR-005lartigen Seihschnabel und Pfeifenten mit der kennzeichnenden gelben Stirn.
In den letzten Jahren nahm ein Neubürger - die Nilgans - erfolgreich Besitz von dem Gebiet.

Ein regelmäßiger Nahrungsgast ist 20120530-Graureiherder Graureiher, den man nach Nahrung spähend, reglos im seichten Wasser stehend sehen kann, sowie der seltenere Silberreiher, der sein Areal in den letzten Jahren immer mehr ausweiten konnte. Einzelne Exemplare halten sich hier in den Herbst- und Wintermonaten oft wochenlang auf.

Ganz genau hinschauen muss der Beobachter, wenn er die diversen Sumpf- und Watvögel identifizieren will. Da ist die Bekassine, auch „Himmelsziege“ genannt, wegen der meckernden Geräusche, die sie beim Balzflug mit ihren Steuerfedern erzeugt. Am frühen Morgen hört man schon mal das seltsame Kratzen des Wachtelkönigs, alias Wiesenrall20120530-Zwergtauchere, neben den allgegenwärtigen Blässhühnern, die gar keine Hühner sind, sondern Rallen, genau so wie das grünfüßige Teichhuhn, besser Teichralle.

Dazwischen vernimmt man das Trillern des Zwergtauchers, dessen Balzrufe an das Klingeln eines Telefons erinnert. In den Schlammflächen stochern regelmäßig Wald- und Bruchwasserläufer, nach Nahrung, um ihre Fettreserven für den anstrengenden Weiterflug aufzufrischen.

Ein immer wieder eindrucksvolles Bild bietet sich, wenn die Rohrweihe, ein bodenbrütender Greifvogel bei ihrem Gaukelflug über die ausgedehnten Schilffelder zu beobachten ist.

20090629-Braunkehlchen-BittAls weitere Greifvögel erwähnenswert sind der Schwarzmilan, der schon ganz in der Nähe erfolgreich brütete und der Rotmilan, der in Deutschland seinen Verbreitungsschwerpunkt hat, so dass man hier zu Lande eine besondere Verantwortung für den Schutz dieser schönen „Gabelweihe“ hat.

Zu den ornithologischen Höhepunkten zählt alljährlich das Frühjahr und der Sommer, dann wenn Rauch- und Mehlschwalben, sowie Trupps von Mauerseglern das reichhaltige Angebot an Insekten über den Wasser- und Schilfflächen abschöpfen. Aus den Weiden ertönt dann der lautmalerische, klangvolle Ruf des Pirols, der eher zu hören als zu sehen ist und der Kuckuck, der sich rechtzeitig wieder einfindet, noch bevor seine wichtigsten Wirtsvögel, der Teich- und der Sum20080513-Braunkehlchen-Bipfrohrsänger wieder zurück sind.

Gut vertreten ist auch der Schilf bewohnende Verwandte unserer Goldammer, die Rohrammer, oder „Rohrspatz.“ Mit mehreren Brutpaaren brütet im Thürer Sumpf das vielerorts bereits seltene 20090421-Thuerer-Somp-OrschSchwarzkehlchen, ein wunderbar gefärbter Singvogel. Sein naher Verwandter, das Braunkehlchen macht sich in dem Gebiet leider immer rarer.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die Kreuzkröten, erkenntlich am gelblichen Rückenstreifen, welche sich ebenfalls akustisch bemerkbar machen, vorzugsweise in den Abendstunden. Das vielstimmige, fast schon schaurig klingende Trällern ihrer Balzrufe kann bis in den Ort hinein vernommen werden.

Ende Juni haben die Larven der Kreuzkröte ihre Verwandlung zur fertigen Kröte abgeschlossen. Dann ergießen sich Tausende 1 bis 2 cm kleine Kreuzkröten in die umliegenden Wiesen. „Froschregen“ nennt man dieses Ereignis, bei dem dann extrem viel Krötennachwuchs tot gefahren wird. Leider ist in den letzten Jahren der Bestand der Kreuzkröten stark zurückgegangen. Ein Umstand, der der natürlichen, sukzessiven Veränderung des Biotops zu verdanken ist. Es sind ganz einfach ehemals freie, unbewachsene Zonen zugewachsen. Die Kreuzkröte liebt offene, vegetationsfreie Tümpel, wie es sie in den ausgebimsten Feldern in der Umgebung zu Hauf gab.

Wer genau wissen möchte welche Tiere sich bereits wieder im Thürer Sumpf angesiedelt haben, dem sei der Film von Hartmut Knöffel “Natur erleben in unserer Heimat. – Die Thürer Wiesen“ empfohlen, der auf DVD erhältlich ist.

Auf Antrag des NABU- Ortsgruppe Mayen – wurden 1987 insgesamt 26 Hektar der Thürer Wiesen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Und nun hat Thür wieder ein kleines Paradies vor seiner Haustür.
Ein Paradies, das nicht nur seltene Vögel und Ornithologen anzieht, sondern auch viele Radfahrer, Pilger, Spaziergänger und Jogger.
Den Spitznamen trägt Thür nun wieder zu Recht, selbstbewußt wird er an vielen Stellen der Gemeinde oder Verbandsgemeinde zur Schau gestellt, so z.B. auf dem Verkehrskreisel in Obermendig oder auf dem Dorfplatz in Thür.

Thürer Wiesen 2008

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Auch am Rand der Thürer Wiesen gibt es so manches zu entdecken. Dieser Schnappschuss gelang Heinz Reudelsterz im Juli 2013.

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Am 10.04.2016 berichtete die Rheinzeitung vom Bau eines Storchennests im Naturschutzgebiet Thürer Wiesen. Alles Mögliche sei unternommen worden, um zukünftige Bewohner des Nests anzulocken, die Erwartungen der Thürer seien groß. Am 04.05.2016 gelang Heinz Reudelsterz dieser Schnappschuss, wie Meister Adebar anscheinend das Nest inspizierte und auf Wohnlichkeit prüfte. Vielleicht wird im nächsten Jahr dort eine junge Storchenfamilie gegründet. Störche im Thürer Sumpf fördern nicht nur den Tourismus sondern vielleicht auch das Bevölkerungswachstum in der Gemeinde Thür.